Sechzehn Wörter

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Bildquelle: Verlagsgruppe Random House

Allgemeines:

Sechzehn Wörter ist im März 2017 bei btb erschienen und umfasst 316 Seiten. Nava Ibrahimi ist im Iran geboren und lebt heute in Graz. Mit Sechzehn Wörter legt sie ihren ersten Roman vor. Sechzehn Wörter ist ein Entwicklungsroman einer jungen Muslima, die versucht, ihren Platz zwischen Orient und Okzident zu finden.

Inhalt:

„Es gibt Wörter, die wir nicht kennen. Deren Bedeutung wir aber erahnen. Als wären sie immer schon hier gewesen. Als hätten sie schon immer in uns gewohnt. Und manchmal wollen sie endlich ausgesprochen werden.

Als ihre Großmutter stirbt, diese eigenwillige Frau, die stets einen unpassenden Witz auf den Lippen hatte, beschließt Mona, ein letztes Mal in den Iran zu fliegen. Gemeinsam mit ihrer Mutter wagt sie die Reise in die trügerische Heimat. Der Rückflug in ihr Kölner Leben zwischen Coworking und Clubszene ist schon gebucht. Doch dann überredet sie ihr iranischer Langzeitliebhaber Ramin zu einem Abschiedstrip nach Bam, in jene Stadt, die fünf Jahre zuvor von einem Erdbeben komplett zerstört wurde. Und Monas Mutter schließt sich den beiden an. Die Fahrt wird für Mona zu einer Konfrontation mit ihrer eigenen Identität und ihrer Herkunft, über die so vieles im Ungewissen ist. Aber manchmal wird uns das Fremde zum heimlichen Vertrauten. Und über das, was uns vertraut schien, wissen wir so gut wie nichts.“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)

Meine Meinung:

Endlich mal ein Cover, das ästhetisch ansprechend ist und auch noch einen tieferen Sinn hat: Es besteht aus einem Mosaik in blau und weiß, den Umriss des Iran in der Mitte freigebend, der den Titel des Buches enthält. Das Bild des Covers ist zudem in schwarz-weiß jedem Kapitel vorangestellt, in der Mitte steht jeweils sein Titel in persischer und lateinischer Schrift.

Das Buch enthält  – dem Titel entsprechend – 16 Kapitel, die eine ganz besondere Begebenheit aus dem Leben der Protagonistin zum Inhalt haben. Dadurch kommt man ihr immer näher.

Erzählt wird aus der Ich-Perspektive von Mona, die in Köln lebt, aber im Iran geboren ist. Sie fühlt sich oft nirgendwo zuhause, hadert mit ihrem Leben in Deutschland und ihren iranischen Wurzeln. Fühlt sich dann doch wieder in beiden Kulturen heimisch, schwelgt in Erinnerungen, kann sich aber nicht entscheiden, wer sie wirklich sein will. Das folgende Zitat beschreibt ihre Situation ganz gut, finde ich. Es zeigt ihre Sehnsucht nach Geborgenheit und Identität:

„Bevor ich eine Moschee betrete, spüre ich jedes Mal Widerwillen. Bin ich drin, möchte ich sie nie mehr verlassen. Ich fühle mich dann, wie sich ein Baby auf einer riesigen Krabbeldecke fühlen muss. Gestillt, gepudert, gewickelt. Ich würde am liebsten ganze Tage und Nächte auf den Perserteppichen herumkugeln. (…) In den Nächten bräuchte ich weder Kissen noch Decke, ich schliefe wie ein Neugeborenes, das an der Brust der Mutter eingenickt ist und dessen Träume von warmer Milch beim ersten Augenaufschlag  wahr würden.“ (S. 74)

Mona ist vieles fremd geworden im Iran, aber ganz tief in ihr drin sind ihre Kindheitserinnerungen, ist ihr kulturelles Gedächtnis versteckt. Schicht um Schicht wird es entpackt. Der Tod ihrer Großmutter zwingt sie, in den Iran zu reisen und auf Spurensuche zu gehen. Nava Ebrahimi schreibt nüchtern und sachlich, greift dabei aber sehr persönliche Stimmungen und Inhalte der Protagonistin auf. Dieser Schreibstil geht sehr ins Herz und macht das Buch besonders und ist an keiner Stelle kitschig oder trivial. Großartig!

Fazit:

Durch die Fluchtbewegung in 2015 ist Literatur, die sich mit Migranten beschäftigt oder von Menschen mit ausländischen Wurzeln geschrieben wurde, endlich einmal stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gelangt. Momentan entsteht gerade so etwas wie eine kleine Schwemme, bei der man durchaus auch schlecht Geschriebenes findet. Darum sind solche Bücher wie Sechzehn Wörter so kostbar. Bücher, die ehrliche und glaubhafte Geschichten erzählen, die uns berühren und uns verstehen lassen.

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