Giacinta

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Bildquelle: Manesse

Allgemeines:

Giacinta ist das Romandebüt des Italieners Luigi Capuana, der von 1839 bis 1915 gelebt hat. Giacinta erschien bereits 1879 in Italien und liegt nun erstmals in der deutschen Übersetzung vor. Die Urfassung sorgte in Italien für einen großen Skandal, weil man sie für gesellschaftlich nicht akzeptabel hielt. Dennoch war diese sofort vergriffen. Capuana schrieb daraufhin eine abgemilderte Geschichte. Die deutsche Übersetzung folgt der ursprünglichen Ausgabe.

Giacinta ist als gebundenes Buch bei Manesse erschienen und umfasst 330 Seiten. Es gibt einen ausführlichen Anhang.

Das Titelbild passt sehr gut in die Zeit, in der der Roman geschrieben wurde. Zu sehen ist ein kleines Mädchen, in unschuldiges Weiß gekleidet, das den Betrachter ernst anlächelt. Eine erste Anspielung auf den Inhalt der zu erzählenden Geschichte.

Inhalt:

„Missbrauch im Kindesalter und eine Ménage-à-trois – das ist der Stoff, aus dem auch 1879 schon Skandale waren. Luigi Capuana provozierte mit seinem weiblichen Entwicklungsroman «Giacinta» Italiens Moralwächter – doch die Leser liebten ihn umso mehr. Nun ist sein Meisterwerk endlich auch in deutscher Sprache zu entdecken.

Giacinta Marulli ist eine erstaunliche Heldin: Kühl lächelnd und scheinbar berechnend verdreht die junge Frau den Männern den Kopf. Nur hinter vorgehaltener Hand ist von ihrer gestohlenen Kindheit die Rede, die in einer Vergewaltigung ihren traurigen Höhepunkt fand. Als der öffentliche Tratsch meint, aus dem Opfer eine verschlagene Täterin machen zu müssen, emanzipiert sich Giacinta und sucht erhobenen Hauptes ihr Seelenheil: in der Heirat mit einem Conte und der gleichzeitigen Liebschaft mit dem Mann ihres Herzens.

Luigi Capuana ist ein genauer Beobachter, der in seinem Roman ein ganzes Panorama kräftig durchbluteter Figuren aus der italienischen Provinz schuf. Lebhaft und detailverliebt erzählt er nach einem wahren Fall das Leben einer tragischen und selbstbewussten Heldin.“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)

Meine Meinung:

Der Manesse Verlag ist bekannt für seine Übersetzungen klassischer Literatur und die liebevolle Gestaltung seiner Bücher. Beides trifft auch auf Giacinta zu.

Wenn man im Kopf behält, dass – bei aller künstlerischer Freiheit  des Autors – eine wahre Begebenheit Grundlage dieses Romans ist, liest man ihn mit anderen Augen, als wenn es sich um reine Fiktion handelte.

Die Sprache des Buches ist zunächst ungewohnt, was aber zu erwarten war, da die Übersetzerin die Sprache und den Stil des 19. Jahrhunderts einzufangen versucht. Dadurch ist der Roman zunächst anstrengend zu lesen. Man merkt aber auch, wie simpel und wenig schön die Sprache oft in aktuellen Büchern daherkommt. Je länger ich gelesen habe, desto lieber mochte ich den Stil Capuanas.

Man erfährt bereits zu Beginn, dass die kleine Giacinta unter keinem guten Stern geboren wird.  Von ihrer Mutter bis zu ihrem fünften Lebensjahr bei einer Amme zurückgelassen, wächst Giacinta zunächst unbeschwert inmitten der Natur auf. Dann aber wird sie in ihre Familie zurückgeholt:

„In diesem kalten und abweisenden Umfeld wuchs die Kleine heran, einem bedauernswerten Pflänzchen gleich, das durch einen unglücklichen Zufall an einem feuchten und schattigen Ort zu sprießen begonnen hat. Über Stunden versank sie in allzu früher Traurigkeit, Schweigsamkeit, Untätigkeit und war dann von einem Ernst, der so gar nicht zu ihrem freundlichen Wesen, ihrem so wachen und intelligenten Gesicht hat passen wollte.“ (S. 35)

Der Kontrast könnte nicht größer sein! Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Giacintas Entwicklung innerhalb der Geschichte ist einerseits geprägt von konventionellen Verhaltensmustern, andererseits ist sie eine (nicht nur für ihre Zeit) emanzipierte Frau, die sich gegen gesellschaftliche Konventionen aktiv zur Wehr setzt. Die Reaktionen ihrer Mitmenschen sind geprägt von Verlogenheit und Schmeicheleien. All diese Faktoren beeinflussen das Leben Giacintas und lassen erahnen, dass die Handlung dieses Romans sich tragisch entwickeln wird.

Fazit:

Ein Buch, das berührt, keine einfache Kost ist und zu Recht nicht in Vergessenheit geraten sollte.

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