Der Zug der Waisen

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Bildquelle: Verlagsgruppe Random House

Allgemeines:

Der Zug der Waisen erschien bereits 2014 als gebundenes Buch auf Deutsch und wurde im Januar 2017 als Taschenbuch aufgelegt. Es umfasst inklusive des Anhangs 350 Seiten und ist bei Goldmann erschienen.

Inhalt:

„New York, 1929: Mit neun Jahren verliert Vivian Daly, Tochter irischer Einwanderer, bei einem Wohnungsbrand ihre gesamte Familie. Gemeinsam mit anderen Waisen wird sie kurzerhand in einen Zug verfrachtet und in den Mittleren Westen geschickt, wo die Kinder auf dem Land ein neues Zuhause finden sollen. Doch es ist eine Reise ins Ungewisse, denn nur die wenigsten von ihnen erwartet ein liebevolles Heim. Und auch Vivian stehen schwere Bewährungsproben bevor … Erst viele Jahrzehnte später eröffnet sich für die inzwischen Einundneunzigjährige in der Begegnung mit der rebellischen Molly die Möglichkeit, das Schweigen über ihr Schicksal zu brechen.“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)

Meine Meinung:

Christina Baker Kline hat mit Der Zug der Waisen ein bewegendes Buch geschrieben, das oberflächlich gesehen sehr leicht zu lesen ist, geradezu ein Pageturner für einen Nachmittag auf dem Sofa. Erst nach dem Lesen merkt man, wie aufrüttelnd die Handlung ist. Dieses Buch lässt einen tief bewegt zurück, die Handlung lässt einen nicht mehr los. Das liegt unter anderem daran, dass die historischen Fakten im Nachwort erst so richtig klar machen, dass es solche Waisenzüge tatsächlich gegeben hat, dass in den Jahren 1854 bis 1929 mehr als 200.000 meist irische Kinder, Waisen der ersten Einwanderergeneration, mit diesen Zügen von Ost nach West in Amerika transportiert wurden, um adoptiert zu werden. Oft wurden sie misshandelt und lebten unter furchtbaren Bedingungen, wurden als billige Arbeitskräfte missbraucht. Nur wenigen war es vergönnt, eine echte Familie zu finden. Sie mussten ihre Namen ablegen und erhielten eine völlig neue Identität. Welche Folgen daraus für ihre Persönlichkeit entstanden, kann man sich vorstellen.

Die Protagonisten Vivian (91), eigentlich Niamh, und Molly (17) teilen ein ähnliches Schicksal, beide sind nicht in ihrer eigentlichen Familie aufgewachsen und durch die Hände einiger Pflegefamilien gegangen. Im Fokus steht der Lebensweg Vivians, der in Rückblenden erzählt wird.

Baker Klines Stil ist sehr nüchtern, fast sachlich und mitleidlos, dadurch geht die Geschichte unter die Haut, denn die Inhalte stehen im Widerspruch zu dieser Erzählweise.

„Ja, Niamh. Ausgesprochen: ‚Neev.‘ Ein recht gebräuchlicher Name in Galway und auch nicht allzu unüblich in den irischen Wohnvierteln von New York, aber sicher dort, wo der Zug mich hinbringen wird, nicht akzeptabel. (…) Ich hoffe, du hängst nicht an diesem Namen, junges Fräulein, denn ich kann dir versichern, dass deine neuen Eltern ihn sofort ändern Werner, falls du überhaupt das Glück hast, dass dich jemand nimmt. ‚Meine Niamh‘, pflegte mein Dad immer zu mir zu sagen. Aber ich hänge nicht so sehr an dem Namen. Ich weiß, dass er schwer auszusprechen ist, fremdartig, unschön für diejenigen, die ihn nicht kennen – ein merkwürdiges Durcheinander von unterschiedlichen Konsonanten.“ (S. 43)

Fazit:

Unbedingt lesenswert, auch oder gerade für jüngere Erwachsene.

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