Grenzlandtage oder Das Glück der Wanderfalter

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Bildquelle: Verlagsgruppe Oetinger

Allgemeines:

Im Dezember 2016 ist ein gemeinsames Buch der beiden Autoren Peer Martin (Sommer unter schwarzen Flügeln, Winter so weit) und Antonia Michaelis (Die Attentäter, Das Institut der letzten Wünsche) erschienen. Blau unterlegt, könnt ihr entdecken, welche Bücher der jeweiligen Autoren ich bereits auf meinem Blog rezensiert habe.

Grenzlandtage oder Das Glück der Wanderfalter hat 464 Seiten und ist als broschiertes (und wie ich finde sehr empfindliches) Taschenbuch publiziert worden. Vorweg kann ich gleich sagen, dass dieses Buch keine leichte Kost ist, was bereits das Cover dem aufmerksamen Betrachter suggeriert.

Vom Versand waren die Ecken meines Exemplars bereits ein wenig angestoßen, da kann vermutlich keiner was dran ändern. Aber die Beschichtung, quasi eine dünne Plastikschicht, ging bei mir während des Lesens sowohl vorne als auch hinten bereits ab. Das sieht sehr unschön aus und fühlt sich nicht gut an. Bitte bei der äußeren Qualität etwas nachbessern.

Inhalt:

„Zwei Wochen Ferien auf der winzigen griechischen Insel liegen vor Jule. Das Meer ist blau, die Nächte sternenklar. Alles scheint perfekt. Bis Jule den Jungen mit den verbundenen Händen trifft und begreift, wer er und die anderen sind, die im Verborgenen leben. Jules Welt gerät aus den Fugen. Denn das Meer ist ein Grab, die Nächte sind kalt und das Dorf ein Ort des Misstrauens. Und quer durch die Wellen läuft eine Grenze, die niemand sieht. Eine tödliche Grenze.

Eine berührende Liebesgeschichte vor aktuellem politischen Hintergrund, die Flüchtlings-Schicksale einfühlsam und greifbar schildert. Die beiden Autoren wurden von der Jugendjury des Jugendliteraturpreises nominiert.“ (Quelle: Verlagsgruppe Oetinger)

Meine Meinung:

Mir war vor der Lektüre dieses Buches bewusst, dass es ein echtes, ehrliches, hartes, berührendes und wahrhaftiges Buch sein wird. Doch warum wusste ich das? Ganz einfach: Weil ich bereits (fast) alle Bücher von Peer Martin und Antonia Michaelis gelesen, ja förmlich in mich aufgesogen habe. Und die Bücher beider Autoren sind kurz gesagt einfach anders. Echt.

„“Wir hatten sieben Schwarzafrikaner an Bord. Du wirst keine Afrikaner finden auf dieser Insel. Sie verstecken sich gut, besser als alle anderen. Sie verstecken sich unter den Wellen.“ Er machte eine Pause.“ Da… verstecken sich noch eine Menge mehr Menschen.“ (S. 134)“

Schon nach dem Lesen der Widmung wusste ich, dass ich ein besonderes Buch in Händen halte (ich hoffe sehr, dass wir nicht wirklich Asmans Geschichte lesen). Und beim ganz genauen Hinschauen, entdeckte ich auch, dass Grenzlandtage nicht der ganze Titel des Buches ist, was man bei dem gewählten Cover ja denken könnte. Das Glück der Wanderfalter klingt groß, klingt gut, klingt nach Hoffnung in der Dunkelheit der Flucht und gewinnt im Laufe der Handlung an Bedeutung.

Ich liebe sowohl Peer Martins als auch Antonia Michaelis Bücher. Beide zaubern mit Worten, beschönigen dabei aber gleichzeitig rein gar nichts, was in Jugendbücher eher selten der Fall ist. Vielleicht sind sich diese beiden Schriftsteller ähnlich genug, um das Kunststück zu meistern, ein völlig in sich stimmiges Buch zu zweit zu verfassen? Ja, das sind sie.

Man möchte als Leser bereits nach den ersten paar Seiten wissen, wie die Geschichte weiter gehen wird. Während der Lektüre fühlte ich mich ein wenig so, als wenn Nuri aus Sommer unter schwarzen Flügeln und Winter so weit gleich wieder anfangen würde, von Syrien zu erzählen. Der Schreibstil dieses Buches begeistert mich wirklich. Realität und Träume verschwimmen, gleichzeitig hatte ich das Gefühl, wieder bei Nuri und Calvin zu sein. Es wirkt als könnten auch sie ein Teil der Welt von Jule und Asman, den beiden Protagonisten von Grenzlandtage, sein- was sie ja auch irgendwie sind, da sie in Peer Martins Erzählungen existieren.

„Wie viele solcher Kunstwerke hat das Mittelmeer in den letzten Jahren geschaffen? Wenn es ein Museum gäbe. Ein Museum der Nicht-Angekommenen. Man bräuchte Hallen, riesige Hallen (S. 175).“

So viel Gewalt und so viel Leid. Dabei wollen doch alle Menschen nur so gut es geht leben. So unnötig passiert so viel. Ich kann Jules Verhalten irgendwie total nachvollziehen. Sie ist durch ihren Griechenlandurlaub plötzlich „drin“, völlig vereinnahmt von der Situation, der Not der Flüchtlinge. Sie will helfen und muss es quasi auch. Kennt ihr dieses Gefühl?

„Der Abend fand sie allein auf der Terrasse, neben einem braunen Packpapierpaket mit drei Wolldecken und einem großen, himmelblauem Kissen darin. Ein Tropfen auf dem heißen Stein, ein winziger Rettungsring im Mittelmeer. Drei Decken waren drei mehr als keine (S. 234).“

Fazit:

Mich haben die Grenzlandtage gepackt. Die Lektüre dieses Jugendbuches setzt einen erfahreneren Leser voraus. Aber seien wir mal ehrlich, unerfahrene Leser werden dieses Buch höchstens aus Versehen in die Hand nehmen. Vor allem vor den aktuellen Geschehnissen in Aleppo wird dieses Buch so wichtig. Wichtig für alle, wichtig dafür, sich wieder in Erinnerung zu rufen, wie groß die Welt ist und wie viel wir erfolgreich verdrängen. Wir müssen lernen, zu verstehen.

(Nebenbei bemerkt sollte auch jeder dringend Sommer unter schwarzen Flügeln, Winter so weit von Peer Martin und Die Attentäter von Frau Michaelis lesen.)

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