Der letzte Sommer

ac051624d1f2403d867b04538e7aa949-front_cover-khlcblpetv4y4
Bildquelle: Dumont

Allgemeines:

Helen Simonsons‘ Der letzte Sommer ist bei Dumont erschienen und umfasst in der deutschen Übersetzung 576 Seiten. Simonson hat für diesen Roman aufwändig recherchiert, um die Zeit der 1910er Jahre glaubwürdig darzustellen. Das ist ihr wirklich sehr gut gelungen. Der letzte Sommer ist hier bestellbar.

Sie hat bereits einen weiteren Roman Mrs. Alis unpassende Leidenschaft, der hochgelobt wurde, veröffentlicht.

Inhalt:

„Im Sommer 1914 besucht der Medizinstudent Hugh seine geliebte Tante Agatha, deren Ehemann ein hoher Beamter in der Regierung ist. Er wird begleitet von seinem Cousin Daniel, der von einem Leben als Poet und englischer Gentleman träumt. Agatha besteht darauf, dass das Säbelrasseln auf dem Balkan unbeachtet verklingen wird und dass König, Kaiser und Zar wie immer in ihren Sommerurlaub gehen werden. Zudem ist sie mit weitaus Wichtigerem beschäftigt: Seit kurzem ist sie Mitglied des örtlichen Schulbeirates und befürwortet die Einstellung einer weiblichen Lehrkraft. Als Beatrice Nash mit einem Schrankkoffer und riesigen Bücherkisten in der Kleinstadt ankommt, ist schnell klar, dass sie deutlich freidenkender – und attraktiver – ist, als eine Lateinlehrerin es sein sollte. Beatrice, die kürzlich ihren Vater verloren hat, will vor allem in Ruhe gelassen werden. Ihre ganze Energie fließt in ihre Schriftstellerei und in das Entmutigen möglicher Heiratskandidaten. Nichts ist Beatrice wichtiger als ihre Unabhängigkeit. Doch Daniels Charme und Hughs scharfer Verstand wie auch sein nobler Charakter lassen sie in ihrer Haltung schwanken. Mit Ausbruch des Krieges findet der idyllische Sommer ein jähes Ende. Als die Bewohner von den ersten Soldaten Abschied nehmen müssen, ahnen alle, dass sich ihr Leben grundlegend ändern wird.“ (Quelle: Dumont)

Meine Meinung:

Als erstes muss ich mich unbedingt positiv über die Sprache des Buches äußern. Sie passt ausgezeichnet zur Epoche, in der die Geschichte spielt. Simonson greift die Sprache Charles Dickens‘, Jane Austens‘ und die der Brontë-Schwestern auf. Das gefällt mir sehr gut und macht das Buch für mich zu einem Lesegenuss.

Schauplatz ist das kleine Städtchen Rye in England, in dem sich der Mikrokosmos der Gesellschaft wiederfindet. Die  Charaktere wie auch die Handlung sind für den Leser durchsichtig und schnell geblickt, das macht das Lesen umso amüsanter, was nicht selbstverständlich ist. Nicht vielen Autoren gelingt es, Handlungen, die durchschaubar sind, auch über die Länge eines Buches interessant zu gestalten, Simonson kann das ganz hervorragend. Man ahnt voraus, wie die Charaktere in bestimmten Situationen reagieren werden und freut sich, wenn man mit seiner Vermutung richtig lag. Das ist die eine, oft amüsante Seite der Geschichte. Die andere ist der aufziehende 1. Weltkrieg mit all seinen Konsequenzen.

Die Protagonisten der Geschichte sind Beatrice, eine allein lebende junge Lehrerin, die vielen (besonders den Damen des Städtchens) ein Dorn im Auge ist. Ferner gibt es Agatha und John, ein fortschrittlich denkendes Ehepaar, nebst ihren Neffen Daniel und Hugh. Wie sich diese Konstellation entwickeln wird, wird sich zeigen.

Der 1. Weltkrieg ist zunächst nur ein vages Bild, das im Verlauf der Handlung sein unmenschliches Gesicht immer stärker zeigt. Keiner bleibt unberührt von den Kriegsgeschehnissen und so mancher wird seine Persönlichkeit dadurch ändern.

Dieses Buch ist zeitgeschichtlich geprägt, enthält aber auch eine Liebesgeschichte, zeigt die gesellschaftlichen und moralischen Anforderungen an die Menschen der 1900er Jahre, lässt einen manchmal fassungslos zurück ob der Haltungen mancher Protagonisten. Man möchte so manches Mal in das Buch hineinspringen und die Handlung beeinflussen. Patriotismus spielt eine wichtige Rolle, ebenso der Umgang mit Flüchtlingen und Andersdenkenden – alles Themen, die uns auch heute noch und gerade wieder betreffen. Immer wieder kommen die Protagonisten an ihre Grenzen und schaffen es nicht immer, ihre Prinzipien zu überdenken, sondern folgen dem allgemeinen Zeitgeist.

 “ ‚Wir hatten vor allem Kinder angefordert, aber wie mein Mann sagt, haben die zuständigen Leute sehr unhöflich reagiert‘, berichtete Mrs. Fothergill. Ihr Blick fiel auf Hugh. ‚Mr. Grange, waren denn keine Kinder zu bekommen?‘ “ (S. 190)

Dieses Zitat zeigt das wahre Gesicht mancher Menschen, die ja den „armen Flüchtlingen“ nur helfen wollen, wie Mrs. Fothergill und dabei das Wesentliche aus den Augen verlieren, weil sie nur ihren eigenen Egoismus befriedigen wollen, um gut dazustehen.

Fazit:

Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der eine gute Geschichte lesen möchte.

herz blogherz blogherz blogherz blogherz blog


Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s