Sehende Hände

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Bildquelle: Verlagsgruppe Random House

Allgemeines:

Am 25.04.2016 ist der neuste Roman des preisgekrönten chinesischen Autors Bi Feiyu beim Blessing Verlag erschienen. In China hat er für Sehende Hände, das dort unter dem Titel Tuina erschienen ist, die höchste Auszeichnung, den Mao Dun Prize, erhalten.

Für Sehende Hände hat Bi Feiyu 25 Jahre lang recherchiert und seine Ergebnisse in der von Marc Hermann ins Deutsche übersetzten Ausgabe auf 416 Seiten niedergeschrieben.

Inhalt:

„Als der blinde Masseur Wang Daifu mit einer Freundin, aber mittellos und ohne Perspektive in seine Heimatstadt Nanjing zurückkehrt, kann er bald Hoffnung schöpfen: Sein alter Freund von der Blindenschule, der ehrgeizige, belesene Sha Fuming, heuert ihn als Therapeuten in seinem Tuina-Massagesalon an. Abends schlafen Wang und seine Freundin im nahe gelegenen Wohnheim, in dem alle Mitarbeiter nächtigen, Frauen und Männer getrennt. Geschichten von Liebe, Freundschaft und Eifersucht entspinnen sich rund um die Mitarbeiter, zu denen nun auch noch Du Hong stößt, die eigentlich Pianistin werden wollte und von großer Schönheit ist. Für Wang aber reißen die Sorgen nicht ab: Kaum verdient er wieder Geld, muss er für seinen Bruder alles riskieren, da dieser sich erpressbar gemacht hat.“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)

Meine Meinung:

Tuina ist eine chinesische Massageform, die Blockaden der Energiebahnen auflöst und den Energiefluss fördert (Quelle: Wikipedia).

Bi Feiyu beschreibt in seinem Roman Sehende Hände diese Form der Massage, die immer von blinden Masseuren durchgeführt wird. In China scheint es medizinische Zentren zu geben, die ausschließlich blinde Masseure beschäftigen, die sich auf diese Massage spezialisiert haben.

Es ist häufig schwierig, Bücher chinesischer Autoren zu lesen, da die Namen dem europäischen Leser sehr fremd sind, oft ähnlich klingen und man daher lange braucht, um in die Geschichte hineinzufinden. So ging es mir auch bei Sehende Hände.

Bi Feyu erzählt die Geschichte verschiedener blinder Protagonisten, die in einer Massageklinik arbeiten.  Man erfährt sehr viel über das Alltagsleben blinder Menschen, die Strategien mit denen sie sich zurechtfinden, ihren Stolz und ihre Schwachstellen. Außerdem gibt Feyu einen Einblick in das Zusammenleben in der chinesischen Gesellschaft, in der es immer noch so wie in den vergangenen Jahrhunderten darum geht, seine Würde zu bewahren, sein Gesicht nicht zu verlieren, der Familienehre nicht zu schaden. Auch die alltäglichen Lebensumstände sind oft noch archaisch, klar hierarchisiert und machen sehr nachdenklich. So leben Männer und Frauen, auch wenn sie ein Paar sind, als Angestellte der Massageklinik getrennt.  Auf der anderen Seite erfährt man viel über Stressbewältigung und kann schon nachdenklich werden, wenn man liest, was die blinden Masseure über ihre Kunden denken.

Feyu erzählt seine Geschichte sehr berührend und lässt seine Protagonisten ihr Leben glaubhaft entfalten. So gibt es durchaus Unterschiede im Ansehen, wenn man nicht blind geboren wurde, früh oder erst kürzlich erblindete. Man identifiziert sich mit ihnen, kann verstehen, wie sie handeln, würde sie aber manchmal einfach gerne an die Hand nehmen und ihnen sagen: „Nimm das Leben nicht so schwer.“

Vieles ist auch einfach komisch, da die Chinesen, und nicht nur blinde Chinesen, sich manchmal sehr direkt auszudrücken scheinen: „Bin ich hübsch?“ (…) „Ja.“ „Wie hübsch?“ Die Frage stürzte ihn in Verlegenheit. Er war blind geboren und wusste nicht, was hübsch war. Er brauchte eine Weile, ehe er – feierlich, als wollte er einen Schwur leisten – erklärte:“ Noch hübscher als Schweinegulasch in Sojasoße.“ (S. 205)

Mein Fazit:

Dieses Buch ist keine leichte Lektüre. Man muss sich auf das Thema und die kulturellen Gegebenheiten Chinas einlassen. Wenn einem das gelingt, dann liest man ein wunderbares Buch.

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