Die Annäherung

Die Annaeherung von Anna Mitgutsch
Bildquelle: Verlagsgruppe Random House

Allgemeines:

Anna Mitgusch hat einen neuen Roman, der am 08.03.2016 als gebundenes Buch bei Luchterhand erschienen ist, geschrieben: Die Annäherung.

Inhalt:

Ich habe an dieser Stelle davon abgesehen, die vollständige inhaltliche Beschreibung einzufügen. Diese verrät leider zu viele Details der Handlung.
„Als er wegen eines Schwächeanfalls in ein Krankenhaus eingeliefert wird, spürt Theo, dass er am Ende seines Lebens angekommen ist: Er ist alt und fortan pflegebedürftig, was ihn eine Ohnmacht und Hilflosigkeit spüren lässt, die er bisher nicht kannte. Er zieht Bilanz, ist in Gedanken oft bei seiner früh verstorbenen ersten Frau, deren Sterben er erst jetzt richtig begreift, und er erinnert sich an nicht mehr gut zu machende Versäumnisse, während ihm die Gegenwart und die bisher glückliche Ehe mit Berta aus dem Gleichgewicht geraten. Aber auch dieses letzte Lebensjahr bringt noch einmal Glück und einen Neuanfang durch die junge ukrainische Pflegerin Ludmila, die sein Herz erreicht, wie weder Berta noch seine seit Jahrzehnten entfremdete Tochter Frieda es vermögen. Ludmila wird zu Theos letzter Liebe, sie wird ihm zur Tochter, wie Frieda es nie war. […]“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)

Meine Meinung:

Die Annäherung: Ein Vater-Tochter-Roman, eine Eltern-Kind-Geschichte, ein generationenübergreifender Roman, ein Roman voller Missverständnisse, Selbstzweifel, ein Schrei nach Liebe – so könnte man dieses Buch in Kurzform beschreiben.

In einem Zyklus von Winter bis Winter

Mitgutsch lässt in einem Zyklus von Winter bis Winter im Wechsel den auktorialen Erzähler die Handlung sehr nüchtern beobachten und aus der Perspektive der Tochter als Ich-Erzählerin die Beziehung zum Vater in nahezu selbstquälerischer Weise beschreiben:

„Im Spital, an einem öffentlich zugänglichen Ort, konnte niemand mir verbieten, ihn zu besuchen. Ich bin seine Tochter, wer konnte mich aufhalten? Ob er mich sehen wollte, diese Frage kam mir nicht in den Sinn. Wie kann man einen Menschen so  hartnäckig lieben, frage ich mich, wenn sein Verrat so sehr schmerzt.“

(Die Annäherung, S. 46)

Dieses Zitat verdeutlicht das angespannte Verhältnis von Tochter und Vater. Das Pflichtbewusstsein und der Wunsch nach Anerkennung lassen die Tochter Frieda immer wieder Kontakt zu ihrem Vater Theo aufnehmen. Es ist manchmal kaum zu ertragen, wenn die beiden aneinander vorbeireden. Man möchte sie als Leser schütteln und ihnen zurufen: „Merkt ihr überhaupt, was ihr einander antut?“

Die Aufarbeitung der Rolle des Vaters als Soldat im Zweiten Weltkrieg spielt in diesem Roman ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Rolle, ebenso wie das Vergessen und die zunehmende Demenz des Vaters – ob er diese vorspielt, um Konflikten zu entgehen?

Der Wechsel der Erzählperspektiven lässt den Leser identische Ereignisse in unterschiedlicher Wahrnehmung erleben. Das macht das Buch interessant und mich als Leser nachdenklich. Frieda ist eine Person, der Gerechtigkeit immens wichtig ist – um jeden Preis! Theo schwankt zwischen dem, was er für erzählenswert hält und dem, was man lieber aussitzt und für sich behält. Seine Haltung ist schwer einzuschätzen. Als Leser ist man ohnehin ständig hin und hergerissen zwischen den einzelnen Charakteren, die Handlungen und Ansichten jedes Protagonisten werden sukzessive aufgedeckt, man kann jeden für sich verstehen, fühlt sich aber dennoch aufgefordert, Stellung zu beziehen. Dadurch erzeugt Mitgutsch eine Betroffenheit, der man sich nur schwer entziehen kann.

Mein Fazit:

Die Geschichte ist gut und authentisch erzählt. Allerdings nimmt auf den letzten 150 Seiten des Buches die Thematik des Zweiten Weltkrieges unangemessen viel Raum ein und macht für mich die ansonsten stimmige Handlung ein Stück weit kaputt. Mitgutsch macht hier einen anderen Schwerpunkt  auf, der für sich genommen einen eigenen Roman verdient hätte.

herz blogherz blogherz blogherz blog

 

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