I Saw a Man

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Bildquelle: Verlagsgruppe Random House

Allgemeines:

I Saw a Man ist am 22. Februar 2016  bei DVA erschienen. I Saw a Man ist Owen Sheers zweiter Roman und für den französischen Prix Femina étranger nominiert. 304 Seiten, gebunden und ein Cover, das in Verbindung mit dem Titel irgendwie neugierig macht.

Inhalt:

„Nach dem tragischen Tod seiner Frau Caroline, die als Journalistin bei einem Auslandsdreh in Afghanistan ums Leben gekommen ist, erträgt Michael es nicht länger im gemeinsamen Heim in Wales. In dem Versuch, ein neues Leben zu beginnen, zieht er nach London, wo er auf die Nelsons trifft: Josh, Samantha und ihre zwei Töchter wohnen im Haus nebenan, und aus einer Zufallsbekanntschaft wird schnell – allzu schnell? – eine intensive Freundschaft. Michael geht bei den Nelsons wie selbstverständlich ein und aus, bis er eines Samstagnachmittags ihre Hintertür halb offen stehend vorfindet. In dem Gefühl, dass etwas nicht stimmt, betritt er das augenscheinlich leere Haus … und setzt damit eine Folge von Ereignissen in Gang, die ihrer aller Leben schlagartig und auf immer verändern wird.“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)

Meine Meinung:

Sheers spielt mit dem Wechsel der Erzählperspektiven und Rückblenden. Das macht die Lektüre dieses Buches so lohnend. Man muss schon sehr konzentriert lesen, da oft mitten im Absatz plötzlich eine Rückblende erfolgt, das verwirrt aber nicht, sondern macht das Lesen einfach spannend.

  „Der Vorfall, der ihrer aller Leben veränderte, ereignete sich an einem Samstagnachmittag im Juni, kurz nachdem Michael Turner – in der Annahme, es sei niemand da – das Haus der Nelsons durch die Hintertür betreten hatte.“

(I saw a Man, S. 9)

So beginnt Sheers sein Buch. Er versteht es sehr geschickt, die Spannung aufzubauen und zu halten, indem er dem Leser Informationsbrocken hinwirft, die dieser nach und nach wie ein Puzzle zusammenbauen muss. Manchmal liegen die Teile noch an der falschen Stelle und es entsteht ein verzerrtes und unvollständiges Bild, aber je weiter man im Buch vorankommt, desto mehr komplettiert sich, was geschehen sein mag.

Wichtigster Protagonist ist Michael Hunter, der seine Frau, die als Fotografin in Kriegsgebieten unterwegs war, verloren hat. Ihn hält nichts mehr in seinem ehemaligen Zuhause, da die Erinnerungen ihn dort kaputt gehen lassen. Sein Umzug nach London ist als Übergang gedacht. Sein Nachbar Josh und dessen Familie werden für ihn zu einem zweiten Zuhause. Mit dieser Familie beginnt aber auch ein weiteres Unglück. Es mutet seltsam an, dass über die emotionalen Auswirkungen, die dieses unweigerlich nach sich zieht, kaum eine Zeile geschrieben wird. Alles wird umschifft und umschrieben, lässt sich denken und vermuten. Das ist eine große Stärke dieses Buches. Auch in London hält Michael es nicht lange aus. Um den Grund zu erfahren, muss man dieses Buch aber selber lesen.

Im Verlauf dieses Buches kreuzen sich Lebenswege, führen wieder auseinander, kreuzen sich unter anderen Vorzeichen erneut. Warum das alles geschieht? Geht es um Rache, Wiedergutmachung, Selbstzweifel? Von allem ein wenig, denke ich.

Der Titel des Buches erschließt sich nicht sofort. I saw a Man bezieht sich nicht auf eine reale Figur, sondern ist metaphorisch zu deuten – wie so vieles in diesem Buch.

Fazit:

Von I saw a Man darf man keinen klassischen Spannungsaufbau erwarten, gerade der gewählte Schreibstil macht das Buch so spannend. Das Ende ist für mich nicht so gelungen, da ich es in ähnlicher Form schon in vielen anderen Romanen gefunden habe. Das ist aber auch die einzige Schwäche des ansonsten hervorragend konstruierten Plots.

herz blogherz blogherz blogherz blog

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