Unterleuten

 

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Bildquelle: Luchterhand

Allgemeines:

Unterleuten ist Juli Zehs neuster Roman und im März 2016 bei Luchterhand erschienen. Zu diesem vom Verlag als Gesellschaftsroman betitelten Buch gibt es eine eigene Homepage, die viele weiterführende Informationen enthält.

Inhalt:

„Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf „Unterleuten“ irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist …“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)

Meine Meinung:

Juli Zehs Unterleuten ist die Geschichte eines Scheiterns, eines Scheiterns in jeder Hinsicht: Lebensentwürfe zerbrechen, Freundschaften gehen in die Brüche, Ehen und Beziehungen zerfallen, die Menschen zeigen ihre dunklen Seiten, Unehrlichkeit ist an der Tagesordnung. Zeh erschafft einen Mikrokosmos in dem Dorf Unterleuten nahe Berlin, einem Dorf, das früher zur DDR gehört hat und mit seiner Vergangenheit bis heute nicht versöhnt ist. Es gibt ideologische Grabenkämpfe, alte Erzfeinde, Ablehnung von allem, was neu ist, Misstrauen gegenüber zugezogenen Wessies – jedes, aber auch jedes Klischee wird bedient.

Ich habe dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite gelesen, musste einfach immer weiterlesen, war aber gleichzeitig zutiefst genervt von diesem Buch. Die Handlung rankt sich rund um die Windkraft, die in Unterleuten Einzug halten soll. Oft findet man seitenweise technische Details, geschmückt mit ideologischen Diskussionen, die so alt sind wie diese regenerative Energie. Das hätte Zeh sich wirklich sparen können.

Folgendes Zitat macht deutlich, was ich meine und was mich erheblich stört:

„Freiheit war der Name eines Systems, in dem sich der Mensch als Manager der eigenen Biographie gerierte und das Leben als Trainingscamp für den persönlichen Erfolg begriff. Der Kapitalismus hatte Gemeinsinn in Egoismus und Eigensinn in Anpassungsfähigkeit verwandelt. (…) Auf Ihren Arbeitsstellen saßen die Leute unter Überwachungskameras, ließen sich die Zigarettenpausen verbieten und machten Überstunden in der Hoffnung, von der nächsten Kündigungswelle verschont zu bleiben. In den Schulen, die jetzt „Lernumgebungen “ hießen, wurde nicht mehr unterrichtet, sondern Projekte entwickelt, Lernprozesse evaluiert und in Kernkompetenzen investiert.“ (S. 107)

Textstellen dieser Art gibt es zuhauf in diesem Buch. Sie überdecken die eigentlich gut herausgearbeiteten prototypischen Charaktere und ideologisieren die ganze Handlung. Das ärgert mich als Leser extrem, ich möchte mir meine eigene Lesart erhalten und keine verordnet bekommen.

Fazit:

Unterleuten hat mich leider nicht begeistert. Ich werde mir dennoch auch das nächste Buch von Juli Zeh kaufen und es lesen, weil ich ihren Stil, ihre Themen und ihre Geschichten mag – mit diesem Buch hat sie mich allerdings nicht überzeugen können.

herz blogherz blog

 

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