Wer war Alice?

(Videoquelle: Goldmann)

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Bildquelle: Verlagsgruppe Random House

Allgemeines:

Wer war Alice ist ein Roman, der am 29.02.2016 als Paperback bei Goldmann erschienen ist. Auf 448 Seiten schreibt T. R. Richmond  eine Geschichte auf, deren Übersetzungsrechte bereits jetzt in über 20 Länder verkauft worden sind. Richmond war bisher vor allem als Journalist tätig, weshalb das Buch eventuell auch nicht dem klassischen Schreibstil eines Romans entsprechend aufgebaut ist.

Auf dem Cover ist das Gesicht einer Frau abgebildet, die entweder schläft oder – was ja schon der Titel suggeriert – tot sein könnte. Bei genauerem Hinschauen sind Wassertropfen zu erkennen. Auffällig ist auch die Haptik des Einbandes. Ich kann das gar nicht so genau beschreiben, es ist beschichtet und fasst sich irgendwie „weich“ an. Dadurch ist es aber auch sehr empfindlich und man sieht jeden Fingerabdruck (trotz sauberer Hände!) sofort. 

Inhalt:

„Alice Salmon war erst 25 Jahre alt, als sie eines Morgens leblos im Fluss gefunden wurde. Eigentlich wollte sie am Abend zuvor nur Freunde treffen, stattdessen durchlebte sie die letzten Stunden ihres Lebens. Aber was ist passiert? Ist sie wirklich gestürzt, weil sie zu viel getrunken hat, wie die Polizei vermutet? War es ein tragischer Unfall? Die Nachricht ihres Todes verbreitet sich wie ein Lauffeuer, auch über Facebook und Twitter. Gleich werden Vermutungen angestellt, über sie, ihr Leben und ihren Tod. Auch ihr ehemaliger Professor Jeremy Cooke ist erschüttert. Er macht sich daran, herauszufinden, was in der Nacht tatsächlich geschah, und sammelt alles über Alice. Er schreibt sogar ein Buch über den Fall. Nur warum ist er so engagiert? Was hat er zu verbergen? Was haben ihr Exfreund Luke und ihr Freund Ben mit der Sache zu tun? Und wer war Alice?“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)

Meine Meinung:

„Tag für Tag misslingt es uns zu kommunizieren. Wir sprechen in Rätseln, verbreiten Halbwahrheiten oder Schlimmeres. Tag für Tag verpassen wir die grandiose Gelegenheit, aus der Dunkelheit heraus miteinander in Kontakt zu treten. Aber die einzige Möglichkeit, die wir haben, aus diesem Wahnsinn schlau zu werden, sind diese verrückten, lächerlichen, magischen, aufreizenden kleinen Gebilde, die wir „Wörter“ nennen. Sie sind in der Tat alles, was wir haben.“

(Wer war Alice, S. 131)

Für mich bildet dieses Zitat hervorragend ab, was Richmond in Wer war Alice versucht. Er möchte uns deutlich machen, wie wir aneinander vorbei kommunizieren, Meldungen in sozialen Netzwerken für bare Münze nehmen, oft ohne sie zu hinterfragen. Wahrheiten als Wahrheiten akzeptieren. Nicht hinter die Oberfläche der Dinge schauen. Diese Botschaft gefällt mir. Was mir allerdings Schwierigkeiten bereitet hat, ist der Schreibstil dieses Buches. Oder besser gesagt: die Konstruktion.

Ja, dieses Buch ist konstruiert. Aus verschiedenen Zeitungsausschnitten, SmS, Blogeinträgen, Mailboxnachrichten, Tagebucheinträgen, Twittermeldungen … es gibt einfach keinen Fließtext. Dieser Roman besteht nur aus Schnipseln, die zusammengesetzt werden und somit im Ganzen das Buch Wer war Alice ergeben. Am Anfang dachte ich, dass das Buch sich im Laufe der „Handlung“ verändert. Eigentlich kann man ja gar nicht von Handlung sprechen. Es wird nicht wirklich eine Geschichte erzählt. Der Leser muss sich selbst zusammen reimen, worauf alles hinauslaufen könnte. Irritierend und nicht unterstützend sind dabei die gewaltigen Zeitsprünge. Richmond geht keineswegs chronologisch vor. Mal gibt es einen Ausschnitt aus diesem Jahr, mal aus diesem, mal aus dem Monat, mal aus jenem. Keine leichte Kost. Man sollte sich also darauf einstellen, kein klassisches Buch in der Hand zu halten und Stringenz wird wahrscheinlich nicht nur mir in diesem Roman fehlen.

Wenn man es schafft, diese Konstruktion über die ersten 150 Seiten „auszuhalten“ oder zu akzeptieren, kommt durchaus Spannung auf. Ich wusste bis zum Schluss nicht, was genau hinter der Geschichte steckt, wer hier nun wirklich die Wahrheit sagt und wer Alice war.

Fazit:

Ein stark konstruiertes Buch, auf dessen Stil man sich einlassen muss. Mir sagt ein klassischer Fließtext – gerne unterbrochen von Zeitungsausschnitten oder anderem – deutlich mehr zu. Trotzdem konnte mich Wer war Alice packen und etwa nach der Hälfte des Buches war ich gespannt, wie es enden wird. Richmond sendet mit diesem Buch eine wichtige Botschaft aus, die auch nach dem Lesen noch nachhallt.

herz blogherz blogherz blog

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