Elf Tage in Berlin

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Bildquelle: Bloggerportal

Dieses Buch ist gleichermaßen ein Entwicklungsroman, ein Selbstfindungstripp, eine Liebesgeschichte, ein fantastisches Buch und: insgesamt einfach wunderbar erzählt. Håkan Nesser gelingt es mit seiner wunderbaren Sprache, dem Leser die Eigenarten seiner Charaktere nahe zu bringen. Besonders Arne mit all seinen Merkwürdigkeiten erinnert an einen erwachsen gewordenen Michel aus Astrid Lindgrens Büchern. Überhaupt ist der Bezug zu Lindgren während des Lesens immer wieder spürbar, manchmal bewusst konstruiert, oft aber einfach zwischen den Zeilen zu lesen.

Nesser hat mit seinen Protagonisten Typen geschaffen, die gleichermaßen skurril wie liebenswert, manchmal aber auch zu bemitleiden sind. Da wäre zunächst

ARNE: unsere Hauptfigur, 36 Jahre alt, Schwede, seit einem Unfall leichte Schäden im Hirn, wird von Onkel und Tante behandelt wie ein kleines Kind, sonderbarer Mensch, nach dem Tod seines Vaters mit der Mission nach Berlin geflogen, seine Mutter zu finden, spricht kaum Deutsch und überhaupt kein Englisch, was in der Kommunikation zu einigen Verwicklungen führt, verträgt keinen Alkohol, trägt gelbe Schuhe, ist leicht zu hypnotisieren, findet seinen Platz im Leben, kennt zu „Die Brüder Löwenherz“ nur den Film.

„Und dann musst du Deutsch lernen. Zumindest rudimentär.“ „Hä?“, sagte Arne.“Rudimentär. Das bedeutet, dass du nicht unbedingt jedes Wort verstehen musst. Nur die wichtigsten. „Scheiße“ und „Krankenhaus“, um nur zwei Beispiele zu nennen.“

„Scheiße“, sagte Arne.

„Bravo. Mit etwas gutem Willen und einem ordentlichen Lehrbuch müsste das in ein paar Monaten zu schaffen sein. Du kannst ja nicht nach Berlin kommen und nur Schwedisch sprechen.“ (S. 21)

– so viel zur Vorbereitung Arnes auf seine Berlinreise. Für Arne ist das Glas immer halb voll und niemals halb leer:

„Als er mehrere Stunden später ins Bett gefallen war (nachdem sie jeder drei Tassen Tee getrunken und all die seltsamen Dinge ein Dutzend Mal durchgekaut hatten, und nachdem er sich dreizehn Mal verlaufen hatte bis er in die Fasanenstraße und ins Hotel Munck zurückfand), dachte Arne, dass dieser Tag, der gerade zu Ende gegangen war, sensationell gut verlaufen war.“(S. 266)

Eine weitere Figur ist BEATE: Frau in Arnes Alter, lebt in Berlin, sitzt im Rollstuhl, hat ihren Großvater sehr geliebt, von ihm hat sie die Liebe zu Büchern, ganz besonders zu Lindgrens „Die Brüder Löwenherz“, das sie dreimal im Jahr liest, hilft Arne bei der Suche nach seiner Mutter, spricht Schwedisch, begegnet Arne, als dieser in einer Schlange im Imbiss steht und seine Bestellung wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht aufgeben kann, er offenbart ihr seine ganze Geschichte. Beates Lebensphilosophie:

„Wenn man lernt, die Tage zu nehmen,wie sie kommen, hat man das Wichtigste im Leben gelernt.“( S. 94, Beates Großvater)

Weiterhin tritt der Antagonist (wenn auch nicht im herkömmlichen Sinne) Professor ANATOLIS LITVINAS auf: schizophren, zweimal längere Aufenthalte in Psychiatrie, glaubt fest an Zeitreisen, zelebriert Rituale, um zu seiner verstorbenen Frau zu gelangen (,die identisch mit Arnes Mutter ist, was Arne aber nicht weiß), trifft auf Arne, da er in demselben Haus wohnt, in dem Arne nach seiner Mutter sucht, versucht, Arne für seine Zwecke zu benutzen (,was diesem sowohl guttut als ihn auch verstört).

Und dann gibt es noch eine TAUBE: sitzt täglich auf dem Fenstersims von Arnes Hotelzimmer, zieht bei Arne ein, ist ihm in einer Krise ein wichtiger Gesprächspartner.

Nesser entwickelt zunächst drei scheinbar voneinander unabhängige Handlungsstränge, die sich im Verlauf des Buches einander nähern und letztlich wie ein Puzzle miteinander verzahnt werden.

Fazit:

Dieses Buch ist für alle Nesser-Fans ein Muss, auch für die, die eigentlich nur Krimis mögen! Ob Arne am Ende seine Mutter findet, welche Rolle Beate und der Professor in seinem weiteren Leben spielen, was aus der Taube wird – das müsst ihr unbedingt selber lesen.

herz blogherz blogherz blogherz blogherz blog

 

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